Der Spielplan bescherte uns ein Viertelfinale in Turku, welches ca. 160 km von Helsinki weg liegt. Nun gut, so konnten wir noch eine zweite Eishalle begutachten. Nach Auslotung der verschiedenen Möglichkeiten beschloss man eine Zugfahrt. Ein Teil unserer Gruppe hatte sich wohl am Abend zuvor etwas zu stark mit den Einheimischen (oder vielmehr mit dem einheimischen Bier) verbrüdert und hätte beinahe die Abfahrt verpasst. Zu ihrem Glück liess sich der Schaffner überreden, nicht pünktlich abzufahren, versucht das mal bei der deutschen Bahn! Der Sprint zum richtigen Gleis dürfte einigen Alkohol ausgetrieben haben :-)



Diese finnischen Züge sind auch ganz bequem.


Da lassen sich zwei Stunden Zugfahrt aushalten, selbst wenn es nur eine winzige Zelle für unsere Raucher gab :-).


Sven möchte nicht in diesem Zustand gesehen werden :-)



Frühzeitig in Turku angekommen, wurde der Transport zur Eishalle per Großraum-Taxi arrangiert (der uns ohne rot zu werden versprach, dass dort schon was los wäre). Dann ein Schock: Die Elysee-Arena liegt in einem gottverlassenen Industriegebiet und bis auf ein paar vereinzelte Medienvertreter war niemand zu sehen. Da waren wir schon echt froh, dass die Deutschen in Helsinki spielen konnten. Es hätten nur noch ein paar Dornenbüsche gefehlt, die durchs Bild rollten :-). Nach einer dreiviertel Stunde Warten öffnete wenigstens das Stadionrestaurant, in dem wir uns stärkten.



Kaum Aktivität vor der Eishalle. Nicht mal die Autos waren gewaschen :-)


Die Halle macht einen guten Eindruck und ist natürlich um einiges überschaubar als die Hartwall Areena.


Das Hallenrestaurant machte einen etwas provisorischen Eindruck, aber das war uns egal, Hauptsache was Warmes.



In der Halle selbst, die auch nur mäßig gefüllt war, wurde wieder ein Sitzplatzblock gemeinsam belegt, nachdem man mal kurz über die sogenannten Stehplätze (zwei Steinstufen im Gang hinter den Sitzplatzblöcken) gelacht hatte. Zum Glück sah man das in Turku etwas lockerer als bei den letzten Spielen in Helsinki. Das Spiel selbst sehr spannend. Kanada, zunächst im Vorteil, wurde durch die hohe Kampfmoral des deutschen Rumpfteams an den Rand einer Niederlage gedrängt und hatte auch etwas Glück durch die dumme Strafzeit zum Ende der regulären Spielzeit. Trotz der ersten Enttäuschung überwog dann doch die Freude über diese bisher erfolgreichste WM seit dem Aufstieg (Platz 6). Wir verabschiedeten uns von den anderen uns bekannten Fans und fuhren mit dem Bus in die Stadt zurück.. Am Bahnhof hatten wir noch etwas Zeit bis zur Zugabfahrt und entdeckten eine Kneipe in der das Bier tatsächlich nur 2,50 Euro kostete. Wow! Und wir sahen auch zwei Gründe, warum Turku als die Stadt der finnischen Schönheitsköniginnen gilt. Die Stadt war also nicht so übel, wie anfangs gedacht :-).



Alle Banner wurden gehisst, hier gab es auch genügend Platz dafür.


Team und Fans bereiteten sich auf ein anstrengendes Spiel vor.


Kanada legte offensiv los.


Trommeln im Akkord, Respekt vor der Leistung unserer Trommler!


Die Elysee-Arena von beiden Seiten: links...


... und rechts. 5500 Zuschauer, eigentlich recht schwach für ein Viertelfinalspiel.


Der deutsche Support jedenfalls begeisterte die anwesenden Finnen.


Martin Reichel wurde als einer der drei besten deutschen Spieler im Gesamt-Turnier geehrt.


Die Spieler bedanken sich für die Unterstützung ihrer Fans.


Und wir sagen Danke für eine vollauf gelungene WM!


Die Rückreise per Zug lief normal ab und endlich wieder im Hotel-Restaurant angekommen, mussten wir im TV noch mitansehen, wie sich die Finnen eine 5:1-Führung gegen Schweden versauten und mit 5:6 verloren. Wirklich schade, denn diesem Land und den Leuten hätten wir es echt gegönnt!

Am Abreisetag waren alle etwas traurig, da die schöne Zeit zu Ende war. Das Zimmer wurde aufgeräumt und übriggebliebene Nahrungs- und Biervorräte wurden dem Hotel vermacht (deutsches Bier ist durchaus beliebt bei den Finnen, wie man bei der WM 2001 mehr als deutlich sah :-) ). Mein Rückflug führte mich mit den Mannheimern über Frankfurt, zufälligerweise wieder der gleiche Flug, mit dem die Spieler zurückflogen. Dabei hatte ich noch die Gelegenheit, Martin Reichel zu seiner Auszeichnung als einem der besten deutschen Spieler zu gratulieren. Der Weiterflug nach München ging schnell, war amüsant, mit den ganzen Schlipsträgern im Trikot zu fliegen und die Gesichter zu sehen :-). Dann beim Verlassen des Flugzeugs die Erkenntnis: Irgendjemand hatte während der zwei Wochen die Heizung aufgedreht! Und gegen 21 Uhr war ich dann wieder im heimischen Nürnberg.




Fazit: Diese WM hat die vorige in Schweden locker getoppt. Die Organisation der Spiele war perfekt, das Merchandising-Angebot liess keine Wünsche offen und die Abstimmung ging sogar soweit, dass die Pausenmusik auf die jeweiligen Länder abgestimmt wurde. Land und Leute haben sich in einem noch nie erlebten Maß offenherzig und freundlich zu uns Deutschen gezeigt. Dafür ein dickes "Viva Suomi"! Auch die Medien waren sehr interessiert, mehrfach interviewten uns Zeitungs- oder TV-Reporter mit teils ziemlich wunderlichen Fragen :-).

Ich freue mich schon auf 2004 in Tschechien, wo der sportliche Erfolg hoffentlich wiederholt werden kann. Herzlichen Dank an Sandra und Ralf R., die diese Reise mit Bravour organisierten und alle alle Mitgereisten für eine tolle Zeit!

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