Ein Reisebericht zur Eishockey-Weltmeisterschaft 2007

"Moskau, Moskau,
schmeiß die Gläser an die Wand,

Russland ist ein schönes Land,
hohohohoho!"

Schon die 80'er-Kultgruppe Dschingis Khan wusste von der Schönheit des diesjährigen WM-Ziels zu berichten, auch wenn es zu der Zeit dort sicher noch ganz anders aussah.

Der erfolgreiche Wiederaufstieg hatte die deutsche Mannschaft wieder zurück in die Gruppe der weltbesten Eishockeynationen geführt und damit direkt ins Herz des ehemaligen Klassenfeinds, nach Moskau. Nunja, fast zumindest, denn die deutsche Vorrunde fand in Mytischi statt, einer Kleinstadt vor den Toren Moskaus.

Was fällt einem alles zum Stichwort Moskau oder Russland ein? Zwiebeltürme, Lenin, Wodka, KGB, Roter Platz, Mafia, trinkfeste Leute und nicht zuletzt Eishockey-Großmacht. Eindeutig ein großer Anreiz, einen Blick auf diese interessante Kultur zu werfen und gleichzeitig die Nationalmannschaft bei der Mission Klassenerhalt zu unterstützen.

Nachdem einige meiner lokalen Bekannten nach der B-WM Interesse an einer Reise geäußert hatten, versuchte ich mich selbst an einer Reiseorganisation. Leider blieb dann nur noch einer übrig (hätte ich mir denken können), mein Mitfahrer Jens und zusätzlich noch Petra aus Köln (in Fankreisen auch als Piesty bekannt), sie musste allerdings die Reise aufgrund eines unerwarteten und kurzfrstigen Jobangebots absagen.

Nach dem Wälzen diverser Angebote war klar: Das wird kein so preiswerter Spaß wie in Prag! Das mag in anderen Regionen Russlands noch anders sein, aber heutzutage ist Moskau eine Weltstadt mit einem ähnlichen Preisniveau wie London oder New York. Durch einen Tipp eines anderen WM-Fahrers (Danke Tux) konnte ich ein relativ preisgünstiges und dabei noch recht zentral liegendes Appartment mieten. Dazu dann noch einen Billigflug mit GermanWings ab Köln, passt! Eine neue Erfahrung war die Visumpflicht für Russland. Die Prozedur zur Erlangung eines Visums ist relativ umständlich, deshalb überließ ich dies wiederum auf Empfehlung einem Reisedienst, der alle Formalitäten erledigte. Kollege Jens nahm die Sache etwas lockerer und hatte drei Tage vor Abflug kein Visum, was mir ein paar graue Haare und ihm dann einige Zusatzkosten einbrachte. Also am Donnerstag zum Konsulat nach München, dessen Visastelle genialerweise an diesem Tag geschlossen hatte. Super! Außerdem hätte da eh noch die touristische Einladung eines russischen Unternehmens gefehlt. Mehrere enttäuschende Telefonate später (ich sah mich schon alleine durch Moskau irren) fanden wir noch ein russisches Reisebüro, dass ein Expressvisum innerhalb eines Tages zu einem akzeptablen Preis arrangieren konnte. Dadurch musste ich dann den Flug auf Samstag nachmittag umbuchen und wir verpassten das erste Spiel gegen Kanada. Was für ein Ärger! Zu seiner Entlastung spricht höchstens, dass die Playoffs uns ungewohnt lange beschäftigten (unsere Vizemeisterfeier fand vier Tage vor Beginn der WM statt) und wir da die WM überhaupt nicht im Kopf hatten, sonst hätte ich vielleicht schon mal früher nachgefragt.

Genug Zeit zum Eintreffen am Flughafen Köln/Bonn hatten wir dadurch und es sollte noch mehr Zeit zum Verhaften einiger Biere geben, da der Flug zwei Stunden Verspätung hatte. Der eigentlich vorgesehene Flieger stand nämlich mit einem Maschinenschaden auf Malta. Nachdem es in Köln angenehme 22 Grad und Sonnenschein hatte, landeten wir am Flughafen Vnukovo ca. 23.30 Ortszeit in einem leichten Schneesturm (trotzdem eine butterweiche Landung). Tja, willkommen in Moskau! Die Einreisekontrolle dauerte zwar etwas, ging aber dank vorher ausgefüllter Migrationskarten (noch so eine Bürokratiesache) problemlos über die Bühne. Ganz hoch rechne ich es dem Fahrer unseres Appartmentservice an, dass er klaglos die Verspätung abgewartet hatte und uns dann in Windeseile nach Moskau chauffierte, wo wir dann erste Erfahrung mit dem örtlichen Straßenverkehr machten. Ich bin sicher, dass es in Russland keine Straßenverkehrsordnung gibt, nur Straßenverkehrsvorschläge. :-) Unsere Appartmentmanagerin übergab uns die gepflegt aussehende Wohnung (von außen sah das Gebäude eher wie ein Sowjet-Wohnbunker aus) und wir genossen erstmal ein (vorher bestelltes) Bier auf die lange, aber erfolgreiche Anreise. Das eigentlich eingeplante Fantreffen mussten wir wegen der späten Ankunft leider auslassen.


Vollständig eingerichtete Küche, da läßt es sich leben.


Das Badezimmer ist größer als mein eigenes :-)


Doppel-Eingangstür mit Stahl drin und fünf Schlössern. Und das scheint dort üblich zu sein.


Eigener Internetzugang! Jens beim Schreiben des ersten Statusberichts für die Daheimgebliebenen.


Blick aus dem Fenster: Bei dem weißen Gebäude durfte sich wohl ein Architekt so richtig austoben.

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